Personalgespräche gestalten: Die Bedeutung offener Fragen für die Führung

Was bedeutet es, offene Fragen zu stellen? Und was kann es für einen positiven Effekt auf die Gestaltung von Mitarbeitergesprächen haben?

Meine Erfahrung ist, dass viele Menschen den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen nicht kennen. Lassen Sie mich deswegen noch etwas Theorie an den Anfang meiner Überlegungen stellen.

Offene Fragen kann ich nicht einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten – ein breites Spektrum von Antworten ist möglich. Mit offenen Fragen erfahre ich die Wünsche, Meinungen, die Haltung meines Gegenübers. In diesem Sinne fördern offene Fragen die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern.

Geschlossene Fragen hingegen verlangen eine zustimmende oder nicht zustimmende Antwort mit „ja“ oder „nein“. Geschlossene Fragen setzen das Gegenüber unter Druck, sich zu entscheiden und klar Position zu beziehen.

Eine extreme Form ist die Suggestivfrage. Hier wird dem Gesprächspartner die Antwort (auf meist hypothetische Fragen) schon in den Mund gelegt. Die Frage nimmt die Antwort quasi vorweg – streng genommen also keine Frage.

Suggestive Fragen und Co.: Viele Führungskräfte wissen oft nicht, wie eine richtige Gesprächsführung in Personalgesprächen auszusehen hat.
Suggestive Fragen und Co.: Viele Führungskräfte wissen oft nicht, wie eine richtige Gesprächsführung auszusehen hat.

Manipulation pur: Geschlossene Fragen verhindern gute Führung

Geschlossene Fragen haben etwas Manipulatives an sich. Im Rahmen meiner Beratungstätigkeit habe ich immer wieder Führungskräfte getroffen, die den Gesprächverlauf mit einer Reihe von „geschickten“ geschlossenen Fragen in die gewünschte Richtung zu leiten wissen. Diese Vorgesetzten waren mit dem Gesprächsablauf jeweils zufrieden – das angestrebte Ziel wurde ja (zumindest vordergründig) erreicht. Die Frage – „Was ist denn die Meinung, das Denken des Gegenübers bezüglich dieser Fragestellung oder dieses Projektes?“ – bleibt allerdings offen. Eine echte Vereinbarung kommt so nicht zustande.

Wenn es im Führungsalltag darum geht (und darum geht es oft), gegenseitige Erwartungen zu klären und gemeinsam Ziele zu vereinbaren, ist es wichtig, das Denken, die Haltung, die Ideen und auch die Wünsche des Gegenübers zu kennen und soweit wie möglich zu berücksichtigen. Und diese erfährt man nur, indem man mit offenen Fragen echtes Interesse am Gesprächspartner zeigt! Eine Vereinbarung, die aufgrund von Gesprächsmanipulation zustande kommt, ist wackelig. Menschen haben ein feines Gespür dafür, manipuliert zu werden. Vereinbarungen, die verschiedene Sichtweisen integrieren, sind nachhaltig und fördern das Engagement.

Nur Kulisse in der Gesprächsführung: Was Ihre Mitarbeiter denken und wollen, erfahren Sie mit offenen Fragen.
Nur Kulisse in der Gesprächsführung: Was Ihre Mitarbeiter denken und wollen, erfahren Sie mit offenen Fragen.

Neugierde ist gefragt: Blicken Sie hinter die Kulissen Ihrer Mitarbeiter!

Die Haltung und das Denken eines Menschen zu erfahren erfordert Hartnäckigkeit. Meine Erfahrung ist, dass Menschen im beruflichen Umfeld nicht ohne weiteres bereit sind, Ihre Haltung und ihre Wünsche offen zu legen. Es reicht deshalb meist nicht, nur einmal die Frage nach dem „Warum?“ oder dem „Wie?“ zu stellen. Echtes Interesse am Gegenüber und sich nicht mit der ersten Antwort zufriedenzugeben, macht es möglich, hinter die Kulisse zu schauen und die wahren Motive zu erfahren.

Verstehen Sie mich nicht falsch – im Arbeitsalltag sind auch geschlossene Fragen wichtig. Immer wieder müssen wir mit „Ja“ oder „Nein“ klar Stellung beziehen. Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten beherrschen die Technik, mit offenen UND mit geschlossenen Fragen Mitarbeitergespräche so zu gestalten, dass echtes Engagement entsteht.

Und jetzt sind Sie gefragt: Wie gestalten Sie Ihre Mitarbeitergespräche? Was sind Ihre Erfahrungswerte mit Führungskraften zu diesem Thema? Schreiben Sie mir Ihre Meinung in die Kommentare oder eine Mail an t.zuliani@benefit-portal.net!

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